Selbst-PR, oder die Kunst, an sich zu glauben

Kennen Sie die Geschichte von dem Zwerg, der im Wald lebte?


"Die Zwerge in seiner Nachbarschaft lud er nur selten zu sich in seine Höhle ein. Und wenn Besuch kam, dann zeigte er ihnen nur den schön dekorierten Vorraum und hielt alle anderen Türen geschlossen. 


Dabei wurde er nie das Gefühl los, dass die meisten sich dort irgendwie langweilten." 

Vielen Menschen ist es eher unangenehm, über sich selbst zu sprechen. Sie finden lieber objektive Themen und haben ziemlich genau ausgezirkelt, was sie anderen über sich selbst preisgeben. Sie tun dies, weil sie sich unsicher darüber sind, wie andere Menschen sie ansonsten wahrnehmen werden. Manche denken auch: Das werden die anderen ja wohl schon bemerken, was ich alles kann.

Dumm nur, dass die anderen meistens nicht nachfragen und auch nichts bemerken.

Andere wiederum ergreifen jede Gelegenheit, um von sich zu erzählen und nerven damit manchmal ihre Umwelt. Dabei sind es nicht immer Heldentaten, von denen sie berichten. Es gibt auch Menschen, die anderen permanent vor Augen führen müssen, wie ungeschickt sie sind.

 

Dabei ist eine gute und balancierte Selbstdarstellung, neu-deutsch auch Selbst-PR genannt, durchaus wichtig. Denn über (geschäftlichen) Erfolg oder Mißerfolg entscheiden nicht nur die Kompetenz und Leistung, sondern - in weit höherem Maße – der Auftritt und die Wirkung eines Menschen!

 

Im Beruf ist es daher von entscheidender Bedeutung, was andere Menschen von uns denken:

Werden Sie eher als sympathisch oder schwierig wahrgenommen? Als kompetent oder konfus? Als Vielredner oder als guter Zuhörer? Als umständlich oder pragmatisch? Als engagiert oder eher jemand, der mehr mit privaten Angelegenheiten beschäftigt ist?

 

Die Wirkung, die wir auf andere haben, ist uns oft gar nicht bewusst. Sie wird manchmal nur durch Kleinigkeiten ausgelöst und kann durchaus verzerrt sein. Da wir aber normalerweise immer nur dann in den Fokus geraten, wenn etwas schiefgelaufen ist, ist es wichtig, hier vorzubauen.

 

Denn das Bild, das andere dann von uns haben, bleibt relativ statisch, da wir alle dazu neigen, andere Menschen in gedankliche Schubladen zu packen. Wer aber einmal als wenig kompatibel oder ehrgeizig oder verlässlich eingestuft wurde, dem werden auch selten interessante Projekte anvertraut.

 

Umso wichtiger ist es also, das Sie sich bewusst machen, wie Sie bei den entscheidenden Personen im Unternehmen „rüberkommen“ wollen. Sie müssen sich dabei nicht verbiegen, aber vielleicht das eine oder andere Fettnäpfchen meiden und Ihre Leistung aktiver ins rechte Licht rücken.

 

Dazu ist es zunächst wichtig, Kontakte zu den Schlüsselpersonen im Unternehmen zu knüpfen. Es kommt nämlich darauf an, dass die richtigen Personen das Richtige von Ihnen denken und berichten. Sprich: Dass die Entscheider und Beeinflusser im Unternehmen Sie als kompetent und vertrauenswürdig wahrnehmen.

 

Und so gehen Sie vor:

Machen Sie sich eine Liste von den wichtigsten Entscheidern und Beeinflussern in Ihrem Unternehmen. Wer sollte alles von Ihren Leistungen wissen? Stellen Sie hierbei sicher, dass auch die jeweilige Assistenz mit auf der Liste steht. Erweitern Sie dann diese Liste um die wichtigsten Kommunikatoren in Ihrem Unternehmen.

Stellen Sie sich die Frage, welcher Kommunikator könnte welchem Entscheider von Ihrer guten Leistung berichten?

Wen müssten Sie also vermehrt auf den Nutzen und die Erfolge Ihrer Arbeit und Ihres Teams hinweisen? Denken Sie jedoch auch umgekehrt – wen könnten Sie bei anderen promoten?

 

Als schönen Nebeneffekt erschaffen Sie sich damit auch noch ein gutes Netzwerk unter den Kollegen und Kolleginnen.

 

Aber Achtung, lassen Sie sich dabei nicht vor den Karren anderer spannen, nur weil man Ihnen plötzlich Komplimente macht.

 

Stellen Sie ab jetzt einfach sicher, dass Sie (und Ihr Team) immer wieder dabei „erwischt“ werden, wie Sie etwas gut machen! Denn Menschen, und was sie über uns denken, sind der wichtigste Erfolgsfaktor im Berufsleben.

 

„Nur wer sich zeigt, kann entdeckt werden!“

 

Wie aber können Sie sich generell besser präsentieren und ein gutes Image erschaffen, ohne falsche Bescheidenheit oder übertriebenes Anbiedern an den Tag zu legen?

 

Für eine gelungene Selbstpräsentation spielt vor allem unser Selbstkonzept eine Rolle.

Damit meine ich das Konzept, das Sie von Ihren eigenen Stärken und Schwächen haben. Hierbei geht es zum Beispiel um Ihre Vorstellung von Ihrer Intelligenz, Ihrem Durchsetzungsvermögen, Essverhalten, Ihrer Fitness, Disziplin, Kreativität oder Ihrem Einfühlungsvermögen.

 

Mit anderen Worten, Ihre Vorstellung von den Dingen, die Sie können. Denn die bestimmen im Wesentlichen darüber, was Sie sich zutrauen - oder eben auch nicht.

 

Eine Klientin berichtete neulich, dass sie sich anderen gegenüber nicht zutraue, Aufgaben zu übernehmen, wenn sie sich nicht völlig sicher sei, diese auch erfolgreich durchführen zu können.

Ein spontanes Angebot ihres Chefs, ein größeres Projekt zu übernehmen, hatte sie entsetzt mit der Begründung abgelehnt, dass sie sowieso schon so viel Arbeit habe. Sie hatte aus Angst abgelehnt, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Lieber machte sie sich klein, als solch ein Risiko einzugehen.

Glücklich war sie darüber allerdings nicht...

 

Wenn wir anderen Menschen nie etwas von dem zeigen, was wir können und was uns ausmacht, dann wirken wir schnell langweilig und uninteressant auf sie. Wenn wir uns jedoch trauen, mehr von uns zu zeigen, auch auf die Gefahr hin, dass uns nicht alle sofort toll finden werden, dann erleben wir meist auch interessantere Begegnungen mit unseren Mitmenschen.

 

Das ist nicht immer ganz einfach. Selbstzweifel, Ausreden (siehe Newsletter im Juni) und Ängste hindern uns oft daran, ein Risiko einzugehen und uns etwas zuzutrauen.

 

Erfolg hat aber nur der, der an sich glaubt!

Sie müssen tatsächlich von sich überzeugt sein, um auch andere überzeugen zu können.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, welche Außenwirkung Sie bei anderen hervorrufen? Und welche Außenwirkung Sie stattdessen gerne erreichen würden?

 

Hier kommt wieder unser Selbstkonzept ins Spiel:

 

In einer gelungenen Selbstdarstellung teilen Sie (von sich aus und authentisch) anderen mit, wie Sie sich selbst sehen und was für Fähigkeiten Sie glauben zu haben. Dabei geht es nicht um narzisstische Zurschaustellung oder Übertreibung, sondern darum, sich selbstbewusst und kompetent ins rechte Licht zu rücken.

 

Die Vorstellung, die Sie über sich haben, bestimmt nämlich in hohem Maß darüber, wie Sie sich verhalten werden.

In dem Buch „Personal Leadership“ von Brian Tracy und Frank Scheelen enthält der Begriff des Selbstkonzepts drei Aspekte: Selbstideal, Selbstbild und Selbstbewusstsein:

1.    Das Selbstideal: Welche Werte, Ideale, Erfolge und Qualitäten bewundern Sie an sich selbst (und anderen) am meisten? Wie kommen diese Werte in Ihrer Arbeit zum Ausdruck? Je klarer Ihnen Ihr Selbstideal ist, desto motivierter und selbstbestimmter agieren Sie!

2.    Das Selbstbild: Wie sehen Sie sich selbst? Sind Sie eher aufgaben- und leistungsorientiert oder eher menschen- und beziehungsorientiert? Was denken Sie über sich selbst? Welche Geschichten erzählen Sie sich und anderen über sich selbst? Sind Sie eher der Held, die Heldin oder das Opfer?

3.    Das Selbstbewusstsein: Ihr Selbstbewusstsein hängt davon ab, wie sehr Sie sich mögen. Und damit bestimmt es auch den Effekt, den Sie auf andere Menschen haben. Was schätzen Sie an sich? Listen Sie einmal schriftlich Ihre Stärken und Qualitäten auf. Fragen Sie Ihre Freunde, was diese an Ihnen schätzen. Lassen Sie sich überraschen!

 

Indem Sie sich diese Fragen stellen, werden Sie sich vermutlich auch Ihrer Erfolge wieder mehr bewusst und werden sie nicht als selbstverständlich abtun. Ihre Antworten können Ihre Vorstellung von sich selbst stärken und positiv beeinflussen.

 

Und wenn Sie beginnen, sich selbst mehr zuzutrauen, dann können Sie sich auch anderen gegenüber leichter öffnen.

 

Das bedeutet nicht, dass Sie Ihr Herz auf der Zunge tragen müssen, aber Ihre berufliche Leistung dürfen Sie durchaus sichtbar machen!

 

Andere Menschen werden Sie dann im Gegenzug für selbstbewusst und kompetent halten und Ihre Persönlichkeit klarer sehen und schätzen. Und diese positive Resonanz wird Sie wiederum in Ihrer weiteren Entwicklung unterstützen.

 

Bei dem Zwerg war es so ähnlich:

"Eines Tages hatte er ganz vergessen, dass er die andern Zwerge eingeladen hatte. Diese kamen in seiner Abwesenheit und fanden die Höhle offen. Auf der Suche nach ihm gingen sie durch alle Räume und fanden die interessantesten Dinge über ihn heraus. Sie bedienten sich schließlich selbst mit Speisen und Getränken.

Als der Zwerg zurückkehrte, hörte er schon von weitem Gelächter. Er erschrak und bereitete sich schon auf die befürchtete Beschämung vor.

Doch das Gegenteil passierte: Die anderen Zwerge waren begeistert, welche interessanten Dinge sie über ihn herausgefunden hatten und sie waren sogar etwas vorwurfsvoll, dass er all dies die ganze Zeit vor ihnen versteckt hatte. Nun waren sie inspiriert und wollten gerne bald wiederkommen."

(Geschichte nach Christina Budde, Mitten ins Herz, Storytelling im Coaching, managerseminare Verlag, 2015)