Werden Sie zum Elefanten-Flüsterer

Haben Sie Mitarbeiter, Kollegen oder Chefs, die Sie gerne ändern würden?

 

Die Ihnen mit ihrem Verhalten das Leben schwer machen? Denen Sie schon x-mal gesagt haben, was sie bitte anders machen sollten?

 

Die schlechte Nachricht ist: Sie können andere Menschen nicht verändern. Sie können nur sich selbst ändern.

 

Das Einzige, was wir wirklich lernen könnten zu verändern (und zu kontrollieren) sind unsere eigenen Gedanken, Gefühle und damit unser Verhalten.

 

Aber das ist so ähnlich als ob wir einen Elefanten beeinflussen wollten...

Wenn wir aber uns verändern können, dann können wir andere zumindest dadurch sehr beeinflussen. Denn unser Denken und Verhalten ruft bei anderen immer eine Reaktion hervor. Ganz häufig erfahren wir das als "Spiegelung".

 

Die richtigen Fragen stellen

 

Was aber müssten wir denn verändern?

Nun, das ist bei jedem ein bisschen anders. Aber wir müssten alle anfangen, uns ernsthaftere Fragen zu stellen und vor allem ehrlichere Antworten zu geben.

Zum Beispiel sich fragen: "Was denke ich eigentlich über mich? Was denke ich über andere? Was will ich? Was treibt mich an - und vor allem: Was hält mich ab?"

 

Wenn wir dem nachgehen, wenn wir unsere bisherigen Gedanken auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen und dann ggf. ändern, dann erleben wir eine neue Freiheit.

Freiheit von alten, behindernden Glaubenssätzen, Freiheit von blockierenden Ängsten, Freiheit von unerwünschtem Verhalten.

 

Klingt ein bisschen nach Selbstoptimierung. Ist es auch.

Aber nicht durch Leistung, sondern durch Verstehen.

 

Ich habe neulich einen einfachen Klapphocker gekauft. Und es gab tatsächlich eine Gebrauchsanweisung dafür! Aber wir haben für uns selbst leider keine Gebrauchsanleitung mitbekommen. Deshalb müssen wir einige Zusammenhänge in uns erst herausfinden.

 

Vermutlich halten Sie sich für einen mehr oder weniger rationalen Menschen. Aber wissen Sie, wie unser Geist wirklich funktioniert?

 

Vereinfacht gesagt, haben wir zwei verschiedene Denk-Systeme: Das eine ist unser Autopilot. Es umfasst das Reptiliengehirn und das limbische System. Und das andere ist unser Großhirn und ist eher unserem Vorsatz bzw. Willen unterworfen, wir nennen es den Verstand.

 

Ersteres reagiert auf Gedanken mit Emotionen wie Angst, Ärger, Neid, Liebe, Kummer, Scham, Freude, Fröhlichkeit oder Traurigkeit und triggert auch die typischen Verhaltensweisen bei Angst wie Flucht oder Angriff.

 

Unser Verstand dagegen ist für Logik, Analyse und Schlussfolgerungen zuständig. Es ist der jüngste Teil des Gehirns in unserer Evolutionsgeschichte und befindet sich in der Großhirnrinde. Hier denken und speichern Sie Informationen ab, und glauben, dass Sie mit Ihrem Denken sich und andere steuern können. Weit gefehlt!

 

Wir werden zum größten Teil durch unseren Autopiloten gesteuert!

 

Das Autopilot-System ist wie ein Elefant. Es ist bei weitem das leistungsfähigere und vorherrschendere der beiden Systeme:

 

Unsere Gewohnheiten und Intuitionen bestimmen den überwiegenden Anteil unseres Lebens, den wir im Autopilot-Modus verbringen. Darüber hinaus können unsere Emotionen unser rationales Denken leicht überwältigen wenn wir im Stress (oder in der Phase der Verliebtheit) sind.

 

Das ist keine schlechte Sache an sich. Es wäre geistig auch ziemlich anstrengend jede Handlung und Entscheidung zuerst zu bedenken. Dennoch wäre es schön, wenn wir auf diesen unbewussten Teil etwas mehr Zugriff hätten und nicht immer wieder ein Verhalten zeigen, dass nicht zielführend ist.

 

Die gute Nachricht ist:

 

Wir können unseren Verstand so trainieren, dass er lernt, den Elefanten zu reiten. Er kann den Elefanten dann absichtlich in eine bestimmte Richtung führen… anstatt von ihm durch unsere unbewussten Gedanken ins Gestrüpp der Emotionen und (irrationalen) Verhaltensmuster gezerrt zu werden.

 

Das passiert zum Beispiel häufig beim Thema Selbstbewusstsein. Wir schwächen unser Selbstvertrauen zum Beispiel durch permanente Selbstsuggestion mit Gedanken wie:

 

„Die guckt schon wieder so komisch –die hat was gegen dich!“

„Niemand wird dich mögen, wenn du das tust.“

„Du wirst jämmerlich versagen!“

„Die anderen werden dich gnadenlos auslachen!“

„Du kannst das halt nicht!“

 

Sie kennen diese Stimme als "Inneren Kritiker": Unser eigener Mentaltrainer in Sachen Unsicherheit und Kleinheit!

 

Ja, wir jagen uns durch unsere Gedanken auch ständig selbst Angst ein und behaupten dann, die Angst hätte uns im Griff. Dabei haben wir unsere Gedanken nicht im Griff!

 

Das funktioniert natürlich auch in die andere Richtung. Wir könnten uns auch ermutigende Dinge sagen und optimistischer sein. (Und die beängstigenden Dinge angehen - machen statt reden).

 

Aber wir sind immer nur so gut, wie wir es unbewusst zulassen!

 

Persönliche Veränderung läuft daher weniger über den Verstand (sonst hätten wir ja alle schon einiges, was wir erkannt haben, geändert), sondern vor allem über Gefühle. Deswegen nützen Tipps meistens nichts, die einem empfehlen, Nein zu sagen und sich abzugrenzen, sich besser zu verkaufen, Kritik nicht persönlich zu nehmen oder dass man sich von anderen nicht einschüchtern lassen soll.

 

Denn dieses Verhalten ist oft unbewusst zu unserer Strategie geworden. Zu unserer besten Strategie. Warum?

 

Weil wir dann

  • andere nicht vor den Kopf stoßen, sondern Harmonie halten können
  • es anderen recht machen, statt uns zu behaupten
  • weil wir dann keine Ablehnung riskieren,
  • weil wir lieber anerkannt, statt als Egoist beschimpft werden
  • und weil wir so unsere Ängste glauben im Zaum halten zu können.

 

Rational betrachtet wissen Sie zwar, dass nichts Schlimmes passieren würde. Aber es würde sich halt sehr unangenehm anfühlen, wenn Sie plötzlich etwas riskieren würden um sich zu behaupten.

 

Je nachdem wie gut Sie von Ihren Glaubenssätzen wie zum Beispiel „Ich darf/ will niemanden vor den Kopf stoßen“ konditioniert sind und damit von Ihrem emotionalen System beherrscht werden, laufen Sie immer in dieselbe Falle der unklaren und unbefriedigenden Beziehungen. Und werden so natürlich leicht für andere manipulierbar.

 

Aber wir könnten den Elefanten der unbewussten Gedankenmuster auch trainieren. Ihr Verstand könnte ein Elefanten- Flüsterer werden.

 

In meinen Coachings empfehle ich immer, sich einmal aufzuschreiben, was es in einem zu bestimmten unangenehmen Situationen denkt, in denen man nicht selbstbewusst und klar gehandelt hat.

 

Woran erinnert Sie diese Situation? Welche Botschaften aus der Kindheit haben sich eingebrannt? Wann waren Sie als Kind „richtig“? Wenn Sie brav, fleißig und lieb waren? Und müssen Sie das heute auch noch sein? Oder haben Sie ein Recht darauf, Ihren Raum für sich zu beanspruchen?

 

Wo können Sie sich von der Meinung der anderen über Sie abgrenzen, distanzieren, ihr weniger Bedeutung geben? Wie fühlt sich das an?

 

Und das ist das Entscheidende. Diese Gefühle einmal bewusst zuzulassen.

 

Denn wenn Sie es wagen, Ihren Gefühlen aus der Vergangenheit zu begegnen werden Sie herausfinden, dass diese Gefühle Ihnen nichts anhaben können.
Dass sie sogar an Gewicht und Schmerz verlieren, wenn Sie bereit sind, sie zu fühlen. Dass Sie es dann sind, der sein Erleben kontrolliert. Nicht die Vergangenheit, nicht Ihre Fähigkeiten, nicht die Meinung der anderen Leute. Sie sind es – mit Ihrer Bewusstheit.

 

Im Laufe der Zeit können Sie Ihren bewussten Verstand immer mehr dazu benutzen, um Ihr automatisches Denken und Fühlen und damit verbundene alte Verhaltensmuster, zu ändern. Auf diese Weise werden Sie ein kraftvolles Instrument bekommen, um die Verantwortung für Ihr Leben zu übernehmen und Ihre Ziele zu erreichen. Nur so funktioniert Veränderung. In dem Sie zuerst bei sich beginnen.