8 Tipps für einen gelasseneren Umgang mit Kritik

Der letzte Beweis
von Größe liegt darin,

Kritik ohne Groll zu ertragen.

Victor Hugo

 

Kennen Sie das: Eine kaltschnäuzige, herabsetzende Bemerkung trifft Sie wie ein Schlag. Sie schnappen nach Luft, Ihnen fehlen die Worte und Sie brauchen längere Zeit, um sich wieder zu erholen?  In dieser Situation wünschen sich viele „ein dickeres Fell“. Wie aber bekommt man das und wie kann man damit umgehen, wenn Kritik sich wie ein Stich ins Herz anfühlt?

In dieser Situation wünschen sich viele „ein dickeres Fell“. Wie aber bekommt man das und wie kann man damit umgehen, wenn Kritik sich wie ein Stich ins Herz anfühlt?

 

Kritik ist schlicht gesagt eine Rückmeldung unserer Umwelt auf unser Verhalten. Und zwar durchaus eine subjektive. Im Grunde ist es einfach eine Meinung eines anderen, um die wir uns nicht immer scheren müssten. Dennoch empfinden wir eine negative Meinung über uns als unangenehm, da wir uns angegriffen fühlen und haben sogar manchmal Angst davor.
Warum eigentlich?

Ein Grund dafür ist, dass Kritik uns unbewusst wie das Echo aus Kindertagen erscheint, wenn wir wieder einmal etwas „falsch“ gemacht oder nicht richtig hinbekommen haben und uns mit einem meist ärgerlichen Ton gesagt wurde: „Pass doch auf! Stell dich doch nicht so blöd an! Kannst Du nicht einmal Ruhe geben?  Oder „Was Du da gemacht hast, enttäuscht mich aber sehr…“
Das hat weh getan und wir haben die Ablehnung und Distanz gespürt, die die Erwachsenen plötzlich zu uns hatten. Schon damals haben wir nichts bewusst falsch gemacht – und sind trotzdem kritisiert und abgelehnt worden. Kritik ist also nicht nur eine inhaltliche Sache, sondern macht auch immer etwas mit unseren Beziehungen zu anderen. Und dieses Damoklesschwert schwebt immer noch über uns – jede Kritik kann das in uns auslösen, denn das verletzte innere Kind in uns zuckt dann jedes Mal zusammen und fühlt automatisch „Ich bin nicht gut genug“.

 

Umgekehrt fällt es uns eher leicht, andere zu kritisieren – auch das haben wir schließlich von den Eltern gelernt, und finden unsere Kritik auch durchaus berechtigt und angebracht. Nicht immer sprechen wir sie aus, aber denken tun wir es in jedem Fall. Und was wir denken, spüren die anderen meistens auch. Nämlich Unzufriedenheit und Ablehnung. Und das triggert dann genau das Verhalten, was wir nicht wollen.

 

Kritikfähigkeit wird als eine positive Eigenschaft gesehen, da man als jemand gilt, der gut kommunizieren (und kritisieren) kann, aber auch bereit ist, über seine eigenen Schwächen nachzudenken, wenn er selber kritisiert wird. Diese Fähigkeit ist den wenigstens in die Wiege gelegt und muss daher trainiert werden.
Wenn Sie also in diesem Punkt kompetenter und gelassener werden möchten, dann überlegen Sie mal, an welche früheren schmerzhaften Situationen erinnert Sie diese Kritik, die Sie heute erleben?
Möglicherweise ist da noch eine alte Wunde, die geheilt werden möchte? Vergebung wäre hier ein guter erster Schritt. Und was ist Ihre spontane Reaktion auf Kritik?
Die erste Reaktion der meisten Menschen auf Kritik ist, sich zu rechtfertigen und die Verantwortung auf andere oder die Umstände zu schieben. Das ist aber wenig hilfreich. Denn der Kritiker spürt die Ausweichbewegung seines Gegenübers und fühlt sich daher nicht gehört. Meistens lässt er dann nicht locker.
Ganz anders die Reaktion, wenn wir erst mal ausatmen und innerlich zählen um uns zu beruhigen und dann vielleicht zugeben können: „Du hast Recht…. Tut mir leid…“

 

Was ist also zu tun? 8 Tipps:
 

1.       Kontrollieren Sie Ihre erste Reaktion
Wenn es normalerweise Ihre erste Reaktion ist, sich bei Kritik sofort zu rechtfertigen oder persönlich zu werden, dann warten Sie erst einmal ein paar Sekunden ab, bevor Sie überhaupt reagieren. Atmen Sie tief ein und aus (!) und zählen Sie bis zehn. Das beruhigt und macht den Kopf wieder klarer, da die Stresssymptome durch tiefes Atmen wieder verringert werden. 

 

2.       Fragen Sie nach
Eine der Kernfragen, die Sie sich zunächst stellen sollten, wenn Sie es mit Kritikern zu tun haben, lautet: „Auf was bezieht sich die Kritik eigentlich? Mit welchem Recht kritisiert der andere mich? Hatten wir eine klare Vereinbarung?“
Und da Kritik häufig pauschal daherkommt, bitten Sie um Präzisierung: „Was meinen Sie genau?“ Und: „Was schlagen Sie jetzt vor?“ 

 

3.       Nehmen Sie es einfach zur Kenntnis
Es ist hilfreich, wenn Sie die Meinung des Kritikers als „seine“ Meinung ansehen und sich gelassen klarmachen – man kann es auch anders sehen! Jedes Ding hat mindestens zwei Seiten – wer weiß, vielleicht war die Kritik ja sogar nützlich und hat Sie auf etwas Wichtiges aufmerksam gemacht? Auf diese Weise können Sie sich sogar für die Kritik bedanken. Und wenn nicht, dann antworten Sie neutral: „Interessant!“ und gehen weiter. 

 

4.       Fühlen Sie Ihre Gefühle bewusst
Kritik trifft einen wunden Punkt in uns, den wir gerne verleugnen. Fühlen Sie dann Wut, Angst Scham oder Trauer…? Warum fühlen Sie das? Negative Gefühle zeigen uns, wo unsere Bedürfnisse, z.B. nach Liebe, Anerkennung, Sicherheit, etc., nicht erfüllt wurden. Lassen Sie die Gefühle einen Moment zu, beobachten Sie, was es in Ihnen dazu denkt. Denn diese Gefühle führen Sie auf die Spur von alten Verletzungen (meist aus der Kindheit), die noch darauf warten bewusst gefühlt und vergeben zu werden – dann verschwinden sie von ganz alleine. Und Sie müssen nicht die (alte) Wut in Ihnen auf Ihren Kritiker projizieren. Der hat damit nur indirekt zu tun.

 

5.       Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht
Es gibt Menschen, die es gut mit uns meinen, Eltern, Lehrer, Freunde, Partner, etc. die uns „verbessern“ wollen. Im Prinzip eine gute Sache, wenn wir es nur nicht so hassen würden, ständig auf unsere vermeintlichen Defizite aufmerksam gemacht zu werden.
Hier ist es einerseits hilfreich, sich klar zu werden, dass der andere es wohl gut meint. Andererseits darf man ruhig und bestimmt Grenzen setzen.
Wenn es ein gewohnheitsmäßiges Nörgeln ist, dann sollte man in diesen Fällen
a) darauf bestehen, dass man Kritik nur dann hören will, wenn man um Feedback gebeten hat und
b) dem Kritiker sein dahinterliegendes Bedürfnis spiegeln, z.B. „Mama, ich weiß, du machst dir Sorgen um mich, aber vertrau mir, ich bekomme das schon hin!“

 

6.       Hinterfragen Sie Ihr Selbstbild
Müssen Sie eigentlich immer perfekt sein? Verletzt und gekränkt reagieren wir nämlich meist nur dann auf die Kritik anderer, wenn diese uns auf Fehler und Schwächen aufmerksam machen, für die wir uns selbst ablehnen!
Unser Innerer Kritiker hat uns schon vorher verurteilt, ohne dass es uns bewusst war. Wären wir wirklich restlos von uns und unserem Tun überzeugt, würde es uns nicht kratzen, wenn andere etwas an uns auszusetzen haben.

 

7.       Arbeiten Sie an Ihrer Selbstachtung
Kritik schmerzt dann besonders stark, wenn wir uns in unserer gesamten Person in Frage stellen. Wir können umso schlechter mit Kritik umgehen, je weniger wir uns selbst Fehler verzeihen können und umso geringer unser Selbstwertgefühl ist. Kennen Sie schon Ihren inneren Kritiker? Der beschimpft Sie manchmal mehr als andere. Lernen Sie also bewusst liebevoller mit sich selbst zu sprechen Wenn wir uns minderwertig fühlen, dann schmerzt uns Kritik sehr viel mehr, als wenn wir uns selbst lieben und anerkennen können. Dazu gehört, dass wir lernen, uns unsere Fehler und Schwächen zu verzeihen und uns als nicht perfekte Menschen annehmen lernen. Gewöhnen Sie sich folgenden Gedanken an: „Ich bin nicht perfekt - und das ist gut so!“

 

8.       Machen Sie sich Ihre Fähigkeiten bewusst
Wenn wir uns unserer Fähigkeiten nicht bewusst sind, können wir auch nicht von uns überzeugt sein. Dann wird jede kritische Äußerung zu einer Waffe, die uns leicht und schnell verunsichern kann. Machen Sie sich klar, was Ihre Stärken sind und schreiben Sie sie auf! Notieren Sie auch die Schwächen, die immer wieder hochkommen. Gibt es etwas, dass Sie verändern oder lernen sollten? Gibt es etwas, dass Sie an sich annehmen sollten? Sie haben ganz besondere Mischung von Fähigkeiten und sind eine einzigartige Persönlichkeit.  

 

Und freuen Sie sich auf die nächste „kritische“ Situation – jetzt können Sie gleich etwas von Ihren neuen Einstellungen und Fähigkeiten üben. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

  

Mein Buch: Zündstoff Kritik – So bleiben Sie gelassen und souverän

 

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