Survival Kit für neue Chefs - 7 Tipps, die das Überleben sichern

Der Jahreswechsel markiert wie keine andere Zeit den Beginn von etwas Neuem – nicht nur kalendarisch. Für Viele bedeutet der Jahresbeginn auch berufliche Veränderung: ein neues Projekt, eine neue Abteilung oder gleich ein neues Unternehmen.

 Führungskräfte, die jetzt in den Chefsessel wechseln, tauschen Vertrautes gegen Unbekanntes.


Das bedeutet, die Kultur des Unternehmens, die Mikropolitik, die Machtverhältnisse und die ungeschriebenen Gesetze im Unternehmen müssen möglichst schnell durchdrungen werden.

Damit der Chefsessel nicht zum Schleudersitz wird, hier 7 Tipps, die Ihnen das Überleben sichern werden:

1.     Kontrollieren Sie Ihren Eifer

Als Neuer ist man meist voller Tatendrang und möchte gerne schnell zeigen, dass man die Erwartungen, die in einen gesetzt werden, auch erfüllen kann.

Trotzdem gilt: Kontrollieren Sie Ihren Eifer, alles schnell zu verändern. Bremsen Sie ihren Drang zu kritisieren und alles in Ihrem alten Unternehmen besser zu finden. Das stößt ihre neuen Mitarbeiter vor den Kopf und baut Widerstände gegen Sie auf. Wollen Sie das? Konzentrieren Sie sich stattdessen zunächst auf das Positive und stellen Sie kritische Bemerkungen zurück bis Sie die Zusammenhänge im Unternehmen besser verstehen.

Nehmen Sie in den ersten drei Wochen vor allem eine Beobachterrolle ein, auch wenn Sie eigentlich ein Macher sind und lassen Sie sich noch nicht zu größeren Entscheidungen und Aussagen hinreißen!

 

2.     Vernetzen Sie sich mit Herz und Verstand

Wenn Sie neu in der Führung sind, ist das grundsätzlich prekär. Alle Augen sind auf Sie gerichtet, es gibt viele Faktoren zu beachten, die Sie aber noch nicht kennen können und Sie müssen überlegen, wie Sie Ihre eigene Stabilität halten können.

Natürlich macht es dabei einen Unterschied, ob Sie Aufsteiger oder Quereinsteiger sind. Wenn Sie von außen kommen, müssen Sie sich erst ein eigenes Bild machen. Und bevor Sie Ihrem Team eine neue Richtung geben, müssen erst die Unternehmensziele wirklich klar sein. Wichtig ist, dass Sie sich rasch und gut in Ihrer neuen Firma vernetzen: Sprechen Sie zuerst mit Ihrem Vorgesetzten und mit ihren neuen Kollegen, knüpfen Sie aber auch Kontakte zu anderen Abteilungsleitern oder Geschäftsführern.

 

3.      Führen Sie direkte Gespräche

Am Anfang stolpert man meist von einem Meeting ins nächste, man soll ja möglichst schnell alle und alles kennen lernen. Der Vorteil von Meetings ist, dass Sie hier Gelegenheit haben, das Verhalten und informelle Machtverhältnisse zu beobachten.

Aber wenn Sie die anderen besser kennen lernen und vor allem Ihr eigenes Image entsprechend festigen wollen, dann sind Einzelgespräche mit den neuen Mitarbeitern und Kollegen am besten geeignet. Denn hier können Sie als Führungskraft im Dialog mit dem Mitarbeiter Verständnisfragen stellen und eigene Erwartungen darlegen.

Außerdem drückt die Zeit, die man sich für ein solches Gespräch nimmt, Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern aus und das Vertrauen, das dadurch entsteht, wächst viel schneller, als wenn man nur in Meetings die neue Strategie und Vorgehensweise kommuniziert (und dabei vielleicht ungewollt Widerstand auslöst).

 

4.      Bleiben Sie realistisch

Als Neuer fallen Ihnen natürlich die Skurrilitäten im Unternehmen schneller ins Auge. Und Ideen, wie man manche Dinge verbessern könnte, drängen sich Ihnen geradezu auf. Aber Vorsicht – auch wenn Sie mit einem Klacks alles ändern könnten, bleiben Sie realistisch. Gehen Sie schrittweise vor. Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter ein.

Das fällt besonders schwer, wenn man als neuer Chef mehr oder weniger als „Heilsbringer“ etabliert wurde, an den die Hoffnung geknüpft wird: „Jetzt wird alles besser!“.

Der Drang, sich sofort ins Veränderungs-Business zu stürzen lässt sich dann kaum bremsen und scheint ja auch genau das Richtige zu sein. Bis man nach einigen Wochen bemerkt, dass man die Veränderungsfähigkeit der Mitarbeiter überstrapaziert und ihr Vertrauen verloren hat. Nicht selten kommen dann auch beim Vorstand erste Zweifel auf, ob das alles so richtig war, mit dem Neuen …

 

5.      Holen Sie sich externes Feedback

Viele Unternehmen nutzen daher ein begleitendes Coaching für die Führungskraft, um die Tücken des neuen Postens zu minimieren. Denn im Coaching wird Zeit zum Reflektieren und Analysieren eingeplant, die man sich sonst nicht nehmen würde. Vor allem eine Analyse der Organisationskultur, der Entwicklungsgeschichte der Firma, der informellen Strukturen und Mikropolitik sind extrem hilfreich, bevor man anfängt, auch nur die augenscheinlichsten Veränderungsmaßnahmen in Angriff zu nehmen. Denn es gibt vermutlich einen Grund, warum das Unternehmen diese bisher nicht erfolgreich angegangen ist.

Und ein offenes Gespräch und ehrliches Feedback in diesem Zeitraum von einem Sparringspartner, der nicht politisch involviert ist, kann die eigenen Chancen, langfristig erfolgreich zu sein, enorm steigern. Insofern ist ein Coaching gerade in dieser sensiblen Phase ein wichtiger Baustein, der Ihr berufliches Risiko entscheidend verringert. Ein Coach arbeitet hier wie ein Lotse, der dem neuen Kapitän bei seiner Fahrt durch noch unbekannte Gewässer zur Seite steht.

 

6.     Gut Ding will Weile haben ...

Wenn Sie als Nachfolger „frischen Wind“ in die Firma bringen sollen, weil der Vorgänger so manches versäumt hat, kann es sein, dass Sie einen regelrechten Reformstau abbauen müssen. Während der eine Teil der Belegschaft seinen gemütlichen Trott weiterleben möchte, werden Sie vielleicht vom überschäumenden Gesprächsbedarf und Änderungswille der anderen Hälfte fast überrollt.

Hier ist Ihre Moderationsfähigkeit gefragt, um aufkeimende Konflikte und Ärgernisse zu regeln und sich geduldig einen Weg durch die verschiedenen Anforderungen und Widerstände zu bahnen. Und denken Sie daran, dass „Rom nicht an einem Tag erbaut wurde.“

 

7.     Planen Sie eine wellenförmige Veränderungsstrategie

Ganz gleich, welchen strategischen Auftrag Sie als Führungskraft erfüllen sollen, planen Sie Ihre Veränderungsstrategie wellenförmig! Erarbeiten Sie mit Ihrem Coach und mit Ihrem Führungsteam verschiedene Phasen, in denen Sie Veränderungen anstoßen, die unterschiedlich tief greifen, um Ihren Erfolg und die Ziele für das Unternehmen zu sichern.

Wichtig für den Neustart: Nehmen Sie Abschied vom Vertrauten!

Und eines noch zum Schluss: Egal, ob Sie aufsteigen oder von außen geholt wurden, Sie müssen sich vom Altbewährtem verabschieden und ganz neue Aufgaben angehen. Die bisherigen Muster waren bislang nützlich, aber jetzt bricht eine neue Zeit an, mit neuen Regeln und anderen Menschen.