Führungskräfte sollten arbeitslos sein! - oder die Kunst des Delegierens Teil 2

Delegieren Sie gerne? Wenn nicht, dann sind Sie in bester Gesellschaft.

Den meisten Führungskräften fällt es nämlich schwer, abzugeben, auch wenn der Schreibtisch sich schon unter der Arbeitslast „biegt“.

 

Aber genau wie ein Löwe, der sein Rudel für sich jagen lässt und dafür andere Aufgaben übernimmt, sollten Sie sich überlegen, wie Sie die Stärken Ihrer Mitarbeiter besser nutzen könnten, anstatt alles selber zu machen.

 

Erfahren Sie im zweiten Teil "Die Kunst des Delegierens",  woran es liegt, dass uns delegieren so schwer fällt und was Sie tun können, um die Arbeit besser zu verteilen.

1. Der Spaß geht verloren

Sie haben sich immer über Ihr Fachwissen und Ihre Leistung definiert? Vor kurzem haben Sie noch selbst das Experiment an der Produktionsanlage durchgeführt, den Datenbankexport programmiert oder die Blumen für die Betriebsversammlung bestellt. Und jetzt sollen Sie all die schönen Aufgaben delegieren? Plötzlich nur noch am Schreibtisch sitzen?

 

Überlegen Sie: Könnten Sie es auch genießen, die Projekte aus einer Führungsposition zu lenken – oder brauchen Sie doch die Expertenrolle?

 

2. Angst vor Schwäche

Könnte es nicht auch ein Zeichen von Schwäche zu sein, um Hilfe zu bitten? Schließlich schaffen andere es doch auch, ihre Aufgaben zu stemmen. Und nun sollen Sie Arbeit abgeben und zeigen, dass Sie es alleine nicht schaffen?

 

Dieser Gedankengang ist eine echte Sackgasse. Ganz klar gesagt: Delegieren ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Aufgabe. Punkt.

 

3. „Leiden“ verleiht Bedeutung

Ist es nicht auch manchmal „cool“, vor den Kollegen und Freunden angeben zu können, wie unglaublich viel Sie zu tun haben? Immer bleibt alles an Ihnen hängen, weil niemand sonst die Aufgaben erledigen kann. Bei Ihnen stapelt sich die Arbeit, weil Sie immer gebraucht werden.
Meinen Sie, das glauben die anderen wirklich?

 

Tipp: Zeigen Sie Ihre Kompetenzen, in dem Sie Aufgaben gut verteilen.

 

4. Die Freiwilligen fehlen!

Manche Führungskräfte warten auch darauf, dass Freiwillige auf sie zukommen. Dahinter steckt der Gedanke, dass nur die Arbeit gut erledigt wird, die freiwillig gemacht wird. Ein edler Gedanke, aber ich bezweifle, dass er stimmt. Tatsächlich erledigen wir viele Arbeiten gut, obwohl wir sie keineswegs freiwillig oder gar mit Lust tun. Denken Sie zum Beispiel an „Keller aufräumen“ oder „Bad putzen“. Freiwilligkeit ist schön, aber ihr Fehlen kein Hindernis, Arbeit zu delegieren. Manchmal kommt der Appetit ja auch beim Essen.

 

Tipp: Sie sind am Ruder! Delegieren kommt nicht von unten, sondern muss von der Führungskraft kommen. Trauen Sie sich.

 

 

5. Das Helfersyndrom

Oder helfen Sie einfach nur anderen gern? Freuen Sie sich, wenn die Mitarbeiter mit ihren Problemen zu Ihnen kommen und Sie sie unterstützen können? Wenn ein Mitarbeiter keine Zeit hat oder mit der Aufgabe nicht klar kommt, dann springen Sie gerne in die Bresche, unterstützen wo Sie können und ziehen die Aufgabe auch gern wieder auf Ihren Schreibtisch? Rückdelegation nennt man das auch…!

Langfristig wird sich Ihr Team so nicht weiterentwickeln können und in fünf Jahren noch da stehen, wo es heute ist – in einer kleinen Komfortzone ...

 

Was können Sie konkret tun?

 

Setzen Sie sich in Ruhe hin und sorgen Sie dafür, dass Sie für 30 Minuten nicht gestört werden.

Dann schreiben Sie auf, welche Ihrer Tätigkeiten von welchem Mitarbeiter übernommen werden könnte. Überlegen Sie sich einen Zeitplan bis wann welcher Mitarbeiter, welche Tätigkeit machen sollte. Überlegen Sie auch, ob nicht auch der eine oder andere Mitarbeiter seinerseits einen Teil seiner Aufgaben delegieren könnte.

 

Wenn Sie nicht alles auf einmal umsetzen wollen oder können, dann beginnen Sie mit nur einer Aufgabe.

 

Und denken Sie daran: Solche Prozesse brauchen Zeit und müssen manchmal nachkorrigiert werden.

 

Und zu guter Letzt:

  •  Aufgaben zweckfrei zu delegieren nützt keinem. Übertragen Sie Aufgaben an andere, um diese zu fordern und zu fördern und auch um sich selbst auf Dauer zu entlasten.
  •  Überlegen Sie dann, was Sie mit der frei gewordenen Kapazität anfangen. Setzen Sie sich größere Ziele und planen Sie, wie Sie Ihren Gestaltungsraum ab jetzt besser nutzen wollen. Nur so klappt das Loslassen.
  •  Es gibt immer verschiedene Möglichkeiten, eine Aufgabe zu lösen. Haben Sie den Mut, Ihren Mitarbeiter auch mal ausprobieren zu lassen – und vielleicht werden Sie überrascht sein, dass es sogar noch einfacher geht, als Sie wussten.
  •  Am Anfang brauchen Mitarbeiter sicher länger als Sie selber, schließlich haben Sie die Aufgaben schon viel häufiger gemacht. Aber wenn Sie sich selbst entlasten und andere wirklich entwickeln wollen, dann nehmen Sie den anfänglich empfundenen großen Zeitaufwand gelassen in Kauf.
  •  Wenn Fehler passieren, dann wissen Sie, dass noch etwas gefehlt hat! Also eine Steilvorlage zum Lernen und besser machen.
  •  Delegieren für Profis: Wagen Sie auch mal den großen Wurf. Delegieren Sie ein ganzes Projekt.

 

Denken Sie daran: Wer nicht delegiert, überfordert sich auf Dauer selbst und unterfordert seine Mitarbeiter.
Auf die Dauer schadet das Ihrer Abteilung, Ihrem Unternehmen und vor allem Ihnen selbst.

 

Seien Sie es sich wert: Delegieren Sie!